Strom am Fluss – mein Live Synthesizer-Debut

Wer diesen Blog hier schon länger liest, weiß vielleicht, dass ich meine Musik größtenteils mit Hardware-Synthesizern kreiere. Das heißt, ich bin in meinem Zimmer, bastel meist zuerst mal Drumsounds die mir gefallen und jamme dann mit zwei oder drei zusammengeschalteten Synthesizern irgendwas zwischen 5 und 20 Minuten lang. Diese Session recorde ich für gewöhnlich in Reaper und schneide schon mal Parts raus, die mir nicht so getaugt haben. Dann füge ich mit weiteren Synthesizern, E-Gitarre und manchmal Geige oder Bass weitere Layers hinzu, mixe und automatisiere endlos Details, irgendwann kommen Lyrics & Vocals, dann schneid ich das Ergebnis oft nochmal etwas kürzer (also so auf 4 bis 5 Minuten :D), mixe & master weiter vor mich hin und das ist dann ein fertiger ph4nt.-Song. Der Großteil dessen was ihr hört kommt aber für gewöhnlich aus drei bis fünf Synthesizern.

Lvie performe ich meine Musik ohne die ganzen Hardwaresynths. Zum Einen bräuchte ich manche Synths merhmals, weil ich teils Sounds aus ein und dem selben Gerät übereinander layer, zum Anderen hätte ich dann eine Menge zu schlappen (was ungünstig ist wenn mensch alleine auftritt und mit Fahrrad oder Zug anreisen möchte) und schlussendlich bin ich einfach nicht versiert genug, alle Synthsounds für Liveauftritte zu rekreieren und dazu noch Gitarre zu spielen und zu singen…darum gibt’s live den fertigen Backingtrack vom Laptop minus einer Gitarrenspur und minus Gesang, die ich beide live performe.

Beim Strom am Fluss im wunderschönen IhmeKult in Hannover hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, mich mit einem komplett instrumentalen Synthesizer-Liveset auszuprobieren! Michael Pliwischkies aka Mesopotam Music veranstaltet die Reihe zusammen mit Kristina Veržbilovska zum wiederholten Male, und am 22.08.2026 durfte ich dabei sein. Tatsächlich war ich diesmal einigermaßen aufgeregt, denn 45 bis 60 Minuten live auf meinen Synthies performed habe ich vor Publikum noch nie. Deswegen hab ich in den Wochen zuvor auf dem Erica x Sonic Potions LXR-02 ein Gerüst ausgearbeitet, mit den Drumsounds die ich nutzen will und dafür rudimentäre Patterns abgespeichert – meist nur eine Kick auf die Eins oder Four on the Floor. Meine Idee war, den ganzen Rest live zu improvisieren und dann von einem Pattern zum Nächsten, recht Leeren zu hüpfen. Die einzelnen Parts bauen sich also immer wieder auf, werden minimalistischer, werden aufgebaut bis sie superlaut & chaotisch sind etc. Der LXR dient dabei quasi als Master für die beiden damit verbundenen Erica Synths Bassline DB-01 und meinen Moog DFAM. Das hat beim Proben ganz gut geklappt!

Am Tag selber war ich dann zum Aufbau ab 13 Uhr da, und hatte schön Gelegenheit, meine sehr netten Mit-Acts ein Bisschen Kennenzulernen und mich über’s Musikmachen und das Leben auszutauschen 🙂 Da die anderen Musiker*innen fast ausnahmslos >=10 Jahre älter waren als ich, meist jahrelange Erfahrung im Gebiet Electronic Live Music haben und ich mit meinen noisy 174 BPM ganz am Ende spielen sollte, war ich trotz der guten Proben ein Bisschen aufgeregt. Was ja auch mal spannend ist, denn „normalerweise“ bin ich vor Auftritten immer extrem relaxed tbh. Den Anfang machten Gäste aus Frankfurt, vom dortigen Electronic Music Open Mic, kurz EMOM. Das ist eine mega gute Idee finde ich – Menschen, die elektronische Musik machen, die Gelegenheit geben, einfach mal vor Publikum ein 20 bis 30-minütiges Set zu performen. Ich find’s nicht unbedingt einfach, als Anfänger*in Anschluss zu einer Szene zu finden, die einem den Raum gibt irl gehört & gesehen zu werden. Ich hatte Glück, dass mich 2021 v. A. die örtlichen Punks zum Auftreten ermuntert haben, sont gäbe es diesen wichtigen Aspekt meines Lebens vielleicht gar nicht…wie dem auch sei, EMOM ist eine tolle Sache! Und die Artists aus Frankfurt haben auch gleich richtig gute, runde, tanzbare und spannende Sets gespielt! Den Anfang machte Himmlitz, dann kam Vangee & am Ende Kristina Veržbilovska. Dann hat Mesopotam selber ein wundervoll noisiges Industrial Techno mit seinem Modularrack abgefeuert, und Mike Montana, Nogasayan, Under Red Skies und Noisymon ließen die Tanzbarkeit und die mitreißenden Klangwelten nicht abreißen :3

Als Noisymon sein Set beendete, war es schon so gegen 23 Uhr und die Tanzfläche ziemlich voll. Sobald ich dran war, hab ich aber nahezu gar nicht mehr an’s Publikum um mich herum gedacht (unsere Stage war in der Mitte, was ein sehr cooler Aufbau ist – so kann eins um die Acts herum tanzen oder auch sitzen & lauschen oder auch die wunderbaren, reaktiven Visuals von Milan bestaunen) – sondern bin einfach nur in der Musik versunken und hab den Raum mit brutalen, noisygen, chaotischen Grooves gefüllt. Ich hatte mega Spaß bei der Sache und hab erst nach dem Auftritt gemerkt, dass Menschen gefilmt haben und wie hinter mir getanzt wurde 😀 Alles in Allem hat was ich mir vorgenommen habe super funktioniert, und das liebe Feedback der anderen Artists wie auch einzelnder Zuschauer*innen (zum Beispiel das eines offensichtlichen Hands-Fans) war überwältigend für mich! Gerade auch die positiven Reaktionen der anderen Musiker*innen freuen mich sehr – dass ich mit meinem ersten Auftritt auf diese Art, mit meinem kleinen Setup und dem Impro-Ansatz (die meisten Leute arbeiten ihr Set gewissenhaft aus vor Gigs und improvisieren live nur wenig) so gut aufgenommen werde, hatte ich nicht erwartet :3 Noch dazu wurden alle drei Tapes mitgenommen, die ich dabei hatte und viele Buttons & Sticker.

A propos aufgenommen: alle unsere Sets wurden live recorded! Allerdings hab ich’s mit dem Signal aus dem Mixer heraus offenbar etwas übertrieben mit dem brutalen Sound – darum peaked die Aufnahme teils sehr. Tja, dann gibt es eben ganz oldskool etwas krachenden & übersteuernde Live-Impro Industrial von mir auf Soundcloud! Danke auch nochmal an Nogasayan, der mir seinen Mixer überlassen hat, nachdem ich nicht sicher war ob meiner seinen Dienst tun wird <3

Strom am Fluss war für mich ein mega empowerndes, tolles und spaßiges Erlebnis – und dank der tollen Reaktionen wird das sicher nicht das letzte Mal sein, dass ich mit einem Electronic Music Liveset auftreten werde! PS: Ein paar der Beats haben mich so begeistert, dass sie sich zu neuen Songs entwickeln dürften…bin schon fleißig am Tüfteln 🙂

Schreibe einen Kommentar